Konstantin Unwohl
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Im Institut für Strömungstechnik

Im Institut für Strömungstechnik

1. Der Duft des Roggens

mit immer größer Unlust

ergriff ich Besitz von dir

tausend Meilen entfernt

da draußen auf den Feldern

doch du wartest

du sagst die Worte sind gefährlich

der Zucker des Herzens

der gewöhnliche Geschmack

und in der Ferne tief im Roggen

mit sinkender Distanz

da wartet auch sie

und ich warte darauf

von Vergessen eingefangen

zu werden

und es warst du

unter dem Laken

der verdeckte kopf

ah Tatiana 

und sie hat nichts von dem

was geschieht

gewollt

oh Tatiana

glaube ihr

der Roggen rauscht im Abendwind

um den Körper einer Frau

die zum Fenster eines Hotels blickt

wo ich mit einer andern bin 

oh Tatiana

die Straße ist breit

sie geht mit uns hinab zum Meer

wie die Dinge meines Zimmers

wird ein Körper durch die Stadt geführt

wohin damit wohin

ich bin nur Teil der Perspektive

die Verzückung sie war so schnell vorbei

und die Liebe, liebe Lola

sie riss uns am Strand schon entzwei

der Abend bricht herein

du gehst langsam durch die Erlen

und ich lüge

und draußen auf den Feldern

schläft Lola im Roggen

so müde

2. Dissoziation Dreiundzwanzig

ich sah mich erst im Spiegel an

und wusst nicht, was ich sah

da war ein anderer mann vor mir

ein anderer Mann mit meinem Teint

er sah mir in die Augen

und ich wusste ganz genau

mit meinem alten ich

da ists ab heut da ists ab heute aus

es ist aus

er suchte mich

er besuchte mich

seit jenem Tag nun jeden Tag

und sah mir dabei zu

er sah mir dabei zu

wie ich mir selbst zum Fremden ward

erst Abends in der S-Bahn

ich fuhr zu mir nach Haus

da stieg ich aus der S-Bahn und es stieg etwas in mir auf

ich nahm einen der zwei Wege, die mich zu mir nach Hause führen

und auf dem Weg dorthin schon wieder

öffnet sich das Himmelsgestirn

zuhause dann

seh ich mir meine Hände an

und meine Hände sind so fremd mit mir

sie fühlt sich nicht wie meine an

es bin nicht der mich berührt

es ist nicht mein Wille

der sie führt

ich blicke in den Spiegel und seh jenen fremden Mann

und er sagt zu mir, dass ich damit doch bestimmt irgendwie umgeht kann

oh er suchte mich

er besuchte mich

seit jenem Tag nun jeden Tag

und sah mir dabei zu

er sah mir dabei zu

wie ich mir selbst zum Fremden ward

3. Ich wollte nie Museumsbauer werden

es ist Zeit

du sitzt und sahst dir Männer an, zu lang

und die Zeit, in der man vorwärts kann scheint vorbei

doch nicht nur ich träumte davon

ein unbeliebter Scheich zu sein

und auch als ich meine Pforten öffnete

blieb auch ich allein

es ist Zeit

die Königin der Stadtindianer ruft nach dir

ihre Rufe hallen durch belebte Gassen

liebe die Gedanken, liebe deine Gedanken

liebe die Gedanken, liebe deine Gedanken

ja Zeit,

die Sicherheitsmänner plaudern über dein Glück

glaube niemals einem Seefahrer auf Tagung

Zeit

denn erst wenn jemand Geld mit dir verdient

beginnt dein Leben, beginnt dein Leben

du träumst von einem Rucksack voller Regen

und jeden Morgen da ist er wieder weg, weg, weg

ich wollte nie Museumsbauer werden

ich wollte nie Museumsbauer sein, oh no

du trägst Nägel in den Taschen seit Dezember

verschwendest deine Jugend, denn wer weiß wofür sie taugt

ja ich habe dich danach gefragt

und du hast nur gelacht und ja gesagt

es ist Zeit

das Aquarell an deiner Wand ist verblasst

und auch streitbare Helden werden fallen

ob ich weiß

ob du Narzissen wohl immer noch so liebst 

und ob die blaue Blume bei dir wohl noch blüht

ja ich weiß

jeden Abend kommt hier jemand spät nach Haus

du lauschst bis morgens ihren schritten

ich wollte nie Museumsbauer werden

ich wollte nie Museumsbauer sein, oh no

4. Ein Gewitter zieht auf

Es ist die letzte Zigarette,

bitte dreh sie schnell

nicht dass ich keine Zeit mehr hätte,

nur das Warten nimmt kein Ende.

Du wolltest hundert weiße Pferde

und das Meer zu deinen Füßen jedes Jahr

du wolltest tausend kleine Stiche

und morgen wies gestern war.

Es schreit das Horn Gabriels,

jede Minute

und an jeder Brücke, ja da wartet ein Mann

auf den einen Moment, wo er springen kann.

Tage und Nächte,

auf der Autobahn

Jahre, die dir niemand mehr bringen kann

Tage und Nächte, alles vertan

nicht jetzt ist die Zeit, sondern das, was mal war.

Dann eine kurze Minute,

in Gedenken an unser,

in unserer Andacht, bevor der Lärm sich breit macht.

Am Peron ist der Bildschirm tot 

die Fahrt, sie geht ins blaue jahrelang

du wolltest niemals nur ein Wort

du wolltest all die großen Bücher haben.

Einander warn wir im Abschied

und auch da war ich schon fern

es war wohl zu früh

es ist alles zu spät

die Zeit wird wie alles vom Winde verweht.

Einander warn wir im Abschied

und auch da war ich schon fern

jetzt ist alles zu früh

denn es war wohl zu spät

du wirst es auch sehn wenn der Schleier sich legt.

Es schreit das Horn Gabriels

ein Leben lang

und Tage für Tage da wünschte sich man

das einer als erster der Sprung wagen kann

die Zukunft hält Spiegel, man weiß schon Bescheid

nur einmal zu viel, nur einmal zu weit

alles wir laut

ein Gewitter zieht auf.

Tage und Nächte,

auf der Autobahn

Jahre, die dir niemand mehr bringen kann

Tage und Nächte, alles vertan

nicht jetzt ist die Zeit, sondern das, was mal war.

5. Amarillo

um halb 9 in der Früh

und wir liefen im Gleichschritt

zur Fabrik bei den Wäldern

wir liefen im Gleichschritt

es verfing sich ein Blatt in den Haaren

die wehten im Wind

ich verging mich einmal schon vor Jahren

an dir

amarillo amarillo

ich legte ein Feuer

amarillo amarillo

und du sahst dabei zu

du suchst eine Blume

ich gehe in die Arbeit

ich suchte meine Blüte

und du gehst in die Arbeit

was man tun soll frag ich im Wald

und du sprichst auf der Lichtung

du sagst alles gegen die Welt

es muss ich was ändern

und ich denke an St. Etienne

wo ich wartete zwischen zwei Zügen

ich denke wir tun alles für das Glück denn

unsre Zeit ist begrenzt

amarillo amarillo

ich legte ein Teuer

amarillo amarillo

und du sahst dabei zu

und wir rauchten und sprachen

ich gab dir die Glut

und du tatest was du wolltest, was man eben so tut

die Flammen breiten sich aus

und wir sehn dabei zu

du löst dich und lässt dich verbrennen

ich sehe dir zu

amarillo amarillo

es brannte lichterloh

amarillo amarillo

und nur du tust ihm ebenso

amarillo amarillo

es brannte lichterloh

amarillo amarillo

und nur du tust ihm ebenso

6. In Rom

Am Piazza deines Lebens

ja da wartest du vergebens

und die Straßenmusikanten spielen einen Trauermarsch

die Rosenmänner meiden dich

die Zeit rennt dir davon

und keines deiner Mitbringsel bringt Liebe

am Piazza deines Lebens

ja da wartest du vergebens

denn da wo wir uns gesehen hätten

stehst du nun allein

du sagtest Rom

ist zu weit weg mein Freund

ja Rom 

ist zu weit entfernt

du sagtest Rom

ist zu weit weg mein Freund

ja Rom 

ist viel zu weit entfernt

viel zum ein entfernt

ja im Kolosseum kämpfte ich

um eine Handvoll deiner Blicke

doch die Stadt der Ewigkeit

sie belehrte mich

und deine Augen werden wässrig

und die Fontana die Fiumi weint mit dir

mit dir

und ich stehe auf dem Pantheon

ich begieße mich Wein

und auch die Fontana di Fiumi weint mit mir

du sagtest Rom

ist zu weit weg mein Freund

ja Rom 

ist zu weit entfernt

du sagtest Rom

ist zu weit weg mein Freund

ja Rom 

ist viel zu weit entfernt

ja ich kostete 

von der Pizza deines Träume

trank den Perlwein deiner Liebe so frizzante

alle Wege führen nach Rom

und keiner dran vorbei

und deshalb ist in Rom nun auch das Ende von uns zwein

Die Rosenmänner sie meiden mich

auf dem Pantheon da begieße ich mich

die Springbrunnen der ganzen Welt ergießen sich

rücksichtslos

7. Experimente mit Auftrieb

ich sah so lange in den Spiegel, dass ich frieren begann

wenn das Weltgetriebe mahlt, hält man sich besser auf Distanz

ja bei keiner meiner tausend wogen war ich wirklich da

aus taubem Mund erklang das Todeswort

und taub nahm ichs wahr

ich saß vor einer Sargfabrik

sie hieß memento mori

ich konnte niemals sehr gut sterben lassen, weil ich wusst, dass ich vergaß

aber du, du wirst gesehen und nun stehst du auf der Straße, glaubst

dass gestern es die Tränen warn

und heute ist es Tau

an jedem Bahnhof wird gewartet

auf jemanden der niemals je den Zug bestieg

und in Ephesus wird geschlafen, weil man uns verschwieg

dass jede Handlung nur zum Echo einer andern ward

und nichts fatales mehr geschieht, es sind nur Experimente mit Auftrieb

ich vergaß alles, was ich gab

erinner nur, was ich bekam

ich denke nicht mehr übers Leben nach, nur über meine Fehler

vergaß alles was ich gab, erinner nur was ich bekam

Experimente, Experimente mit Auftrieb etc.

8. Auf einem Hügel

Auf einem Hügel

hinterm Wald

sah ich in die Sonne

und man sagte mir

dass ich mich nicht davon erholen könne

ich besuchte jenen Hügel

jeden Tag danach

sah nie wieder in die Sonne

und ich weint auf meinem Grab

ich focht mit meinem Schicksal

doch es hatte kein Erbarmen

auf jenem Hügel hinterm Wald

da wird mein Körper nun erkalten

und dann rannte ich, ich rannte

ah Krähen warn am Himmel

und Wolken zogen auf

es verdunkelt sich

das Firmament

und drüben auf dem Hügel

da überkommt es mich

wenn ich unten wieder ankomm

von allem, was da war

wenn ich unten wieder ankomm

dann ist nichts davon mehr da

auf einem Hügel hinterm Wald

eine Träne der Sterne

und es lacht nur der Mond

hämisch über mein Ende

und in meinen gebrochenen Augen

da bricht sich sein Licht

mein erschlagener Körper

er bettet sich

auf jenen Hügel hinterm Wald

wo ich dich noch einst zu Schlafe brachte

da lege ich mich selbst heut Nacht

wir sind wieder vereint

ich rannte, ich rannte

ah Krähen warn am Himmel

und Wolken zogen auf

es verdunkelt sich das Firmament

und drüben auf dem Hügel 

da überkommt es mich

wenn ich unten wieder ankomm

von allem, was da war

wenn ich unten wieder ankomm

dann ist nichts davon mehr da


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